romana ros, psychotherapeutin, akad.
praxen: rupert-schmid platz 1, 8501 lieboch & aubergstraße 70, 4040 linz
tel. +43 664 1445058

    Depression/Burnout: Entstehung und Therapie



    Obwohl es sich für einige Betroffene so anfühlen kann, kommt eine Depression nicht einfach aus heiterem Himmel.

    Sie baut sich über Jahre (oder sogar Jahrzehnte) auf, wird durch bestimmte innerseelische und körperliche Bedingungen begünstigt und entwickelt sich oft erst durch einen äusseren Anlass zum (leid-) vollen Krankheitsbild.

    Wie genau entsteht nun eine solche Depression, was sind das für Bedingungen, die sie begünstigen?

    Grundsätzlich ist es ein Zusammenwirken von drei Faktoren: biologisch, seelisch und umweltbedingt.

    Biologische Faktoren:

    Körperliche Vorgänge sind verändert, es wird zuwenig Serotonin oder Noradrenalin produziert, zuviel vom Stresshormon Cortisol oder der Hormonhaushalt z.B. des Östrogens oder der Schilddrüse ist gestört.

    Deswegen ist es bei Auftreten depressiver Symptome auf jeden Fall anzuraten, einen Arzt zur gründlichen körperlichen Abklärung aufzusuchen.

    Es kann auch eine genetisch-biologische Prädisposition vorliegen, d.h. eine erbliche Veranlagung. Die Betroffenen schildern ihre prämorbide (vor der Erkrankung) Persönlichkeit als sensibel, empfindlich oder „immer schon dünnhäutig“, leicht zu überfordern und schnell erschöpft.

    Neuere Studien zeigen, dass bereits in der Kindheit eine depressive Entwicklung zu erkennen sein kann und durch bestimmte Bedingungen gefördert wird:

    Kinder, die bereits im frühen Alter zuviel Verantwortung von den Eltern aufgebürdet bekommen oder selber übernehmen (wie z.B. bei suchtkranken Eltern), die ihre Eltern schonen und sich damit konstant selber überfordern, die alles mit sich allein ausmachen und nie gelernt haben, sich selber wertzuschätzen, Wut, Angst oder Zorn auszudrücken, erkranken mit hoher Wahrscheinlichkeit später an einer Depression oder einem Burnout.

    Seelische Faktoren:

    Dem depressiven Erleben förderlich ist vor allem eine negative Bewertung sich selber und seiner Umwelt gegenüber. Positive Erlebnisse werden abgewertet oder garnicht erst wahrgenommen, negatives bekommt eine übermässige Bedeutung. Grübeln, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle und ein fehlendes Selbstwertgefühl führen zu Energielosigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen, Schlaflosigkeit, Überforderung und dem Rückzug von der Aussenwelt. Lange verdrängte, teils traumatische Erlebnisse ziehen –zunächst unbemerkt, aber langsam und stetig - Energie ab.

    Umweltfaktoren:

    Schmerzhafte Lebensereignisse wie Scheidung, Tod eines nahestehenden Menschen (oder auch Haustieres), Arbeitsplatzverlust und andere starke Belastungen führen bei über 50% der Betroffenen zum Ausbruch oder der Entwicklung einer Depression.

    Wie gehe ich nun damit um?

    Für den Betroffenen wird es zunächst darum gehen, eventuelle körperliche Gründe für sein depressives Erleben und die Erschöpfung in Zusammenarbeit mit seinem Arzt festzustellen oder auszuschliessen. Je nach Grad der Beschwerden kann die Einnahme eines Antidepressivums angeraten sein.

    In der klientenzentrieren Psychotherapie bekommt der Betroffene ein nicht bewertendes, wertschätzendes, stützendes und ihn-achtendes Klima angeboten, in dessen Sicherheit er seine innere Welt erkunden kann. Der Therapeut wird ihn respektvoll begleiten, niemals drängen, sondern an seiner Seite ausharren und ihm beistehen.

    Der Klient erfährt in der Therapie Fürsorglichkeit, Wärme, ein aufrichtiges Geachtet-Werden und Verständnis. Trotz seiner Fehler und Schwächen wird er zutiefst respektiert.

    Dieses Klima führt dazu, dass der Klient sich selber entfalten kann, innerlich wachsen kann und zu sich findet. Denkblockaden und Ängste lösen sich auf, der Klient entdeckt seine eigenen, inneren Ressourcen und seine tief in ihm wohnende Kraft. Wie ein Samenkorn, das die richtigen äusseren Bedingungen braucht, um zur Blume zu werden, findet der Klient in der Therapie seinen nährenden Boden und entwickelt sich zu dem, der er sein möchte. Denn alles ist bereits in ihm angelegt – es braucht nur die richtigen äusseren Bedingungen.

    Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?

    Tatsächlich kann sich eine Depression bei Männern und Frauen unterschiedlich manifestieren. Während bei Frauen die Stimmungslage eher durch Niedergeschlagenheit, Rückzug, Traurigkeit und Ängste geprägt ist, zeigt sich bei männlichen Betroffenen eine Depression meist in Form von Gereiztheit, Erschöpfung und Ungeduld.

    Auch die Formen der Bewältigung unterscheiden sich zum Teil deutlich: Frauen suchen sich schneller professionelle Hilfe und ziehen auch mehr Kraft aus Gesprächen mit Freundinnen oder dem Partner.

    Männer greifen als Mittel zur Selbstheilung öfter zum Alkohol, vergraben sich in der Arbeit, teilen sich seltener ihren Partnerinnen oder Freunden mit und ziehen sich zurück. In Folge dessen steigt der Druck weiter an und ist die Suizidrate bei Männern auch deutlich höher als bei Frauen.

    Was kann ich selber tun?

    Im Alltag gibt es einiges, das man für sich selber tun kann, um sich bei einer Depression oder einem Burnout ein wenig Erleichterung zu verschaffen. Zu den Schwierigkeiten dieses Krankheitsbildes gehört jedoch leider, dass gerade die Dinge, die Kraft geben und Spass machen, zu anstrengend scheinen. Je nach Schwere der Erkrankung kann dafür viel Überwindung notwendig sein, aber es lohnt sich!

    Dazu gehört u.a.:

    • Bekannte treffen. Vorher überlegen: Wer tut mir gut, wer kostet mich Kraft?

    • Gerade für Männer kann es hilfreich sein, eingeschlafene Freundschaften wieder aufleben zu lassen, z.B. mit den alten Fussballfreunden mal wieder ein Spiel zu organisieren oder ähnliches.

    • Zeit für sich selber nehmen - sich selber und seine Gefühle ernst nehmen

    • Bewegungstraining: mind. 3 x 30 Minuten pro Woche langsames Joggen oder schnelles Spazierengehen - ist sehr wirkungsvoll für eine Verminderung der Depression und unterstützt positiv das Körpergefühl/Körperbewusstsein. Die Gehirndurchblutung steigt nach einem halbstündigen Training um ca. 40%, dadurch wird die Konzentration gefördert, die Produktion von Serotonin und Noradrenalin angeregt und das Stresshormon Cortisol abgebaut.

    • Was hat mir vor der Erkrankung gut getan? Welche Hobbies könnte ich pflegen?

    • Entspannungsübungen, Atemübungen

    • Gesunde Ernährung, Alkohol und Nikotin möglichst vermeiden.

    • Tagebuch führen: Was habe ich heute an Schönem erlebt, was hat mich zum Lächeln gebracht? Stichpunkte genügen.

    Eine Depression ist eine Erkrankung mit einer langen Entstehungsgeschichte. Wenn wir zuhören, was sie uns sagen will, und von ihr lernen, werden wir dafür belohnt.

    #burnout #depression